Forschung in Vorpommern. VOPZI-Adventskalender Tür 20

Forschung in Vorpommern

Wissenschaftsstandort Vorpommern

Mit einer Universität und einer Hochschule sowie einigen renommierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen leistet der Wissenschaftsstandort Vorpommern, besonders in den Hansestädten Greifswald und Stralsund einen bedeutenden Teil sowohl zur regionalen Entwicklung als auch zur internationalen Forschung. Enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen und praxisnahe Forschung ermöglichten dabei in der Vergangenheit schon einige Innovationen. Nicht zuletzt ist die Wissenschaft an Hochschulen und Instituten auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für ganz Vorpommern.

Hochschule Stralsund

Sind die Hochschulen an sich schon ein Wirtschaftsfaktor, so trifft die Charakterisierung der „Fachhochschulen als Motor der regionalen Entwicklung“ besonders auf die Fachhochschule Stralsund, die am 1. März 2017 in Hochschule Stralsund umbenannt worden ist, zu. Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 ist die Hochschule Stralsund bestrebt, ihre Studierenden wissenschaftlich anspruchsvoll auszubilden und gleichzeitig möglichst gut für die Wirtschaftspraxis vorzubereiten. Ihr Leitsatz lautet: „Praxis verstehen – Chancen erkennen – Zukunft gestalten“. Zahlreiche Kooperationsvereinbarungen und kooperative Aktivitäten der Hochschule Stralsund mit der Wirtschaft sowie diverse Projekte dokumentieren die Nähe zu den Stakeholdern der Region und darüber hinaus.

Forschung in Vorpommern. Hochschule Stralsund: Luftbild Campus
Forschung in Vorpommern. Hochschule Stralsund: Luftbild Campus

Die Professorinnen und Professoren der Hochschule Stralsund aus den drei Fakultäten Elektrotechnik und Informatik, Maschinenbau und Wirtschaft beteiligen sich an diversen praxisorientierten Forschungsvorhaben und Verbundprojekten. Interdisziplinäre Lehrprojekte, die wissenschaftlich begleitet, aber maßgeblich organisatorisch und inhaltlich von Studierenden umgesetzt werden und eine überregionale Sichtbarkeit genießen, sind: „Baltic Racing Team“, „ThaiGer-H2-Team“, „Motorrad-Racing Team“ und „Stralsunder Tagungen erfolgreicher Partnerschaften (STeP)“.

Mit einem neuen Effizienzrekord hat sich das ThaiGer-H2-Racing Team der Hochschule Stralsund beim Shell Eco-marathon vom 2. bis 5. Juli 2019 in London auf den ersten Platz gefahren und damit zum dritten Mal in Folge den Europameistertitel errungen. Mehr geht nicht: Weltrekord und Europameistertitel. Das STeP-Projekt mit dem Fokus regionale „Kompetenzen zu binden“ und dem Ziel regionalbezogene Praxisprojekte mit Studierenden in Kooperation mit der Wirtschaft umzusetzen, richtete in 2019 den 17. STeP-Kongress aus. Das SteP-Projekt hat mittlerweile einen recht hohen Bekanntheitsgrad in der Region und darüber hinaus erlangt.

Forschung in Vorpommern. Hochschule Stralsund: ThaiGer
ThaiGer-H2-Racing-Team der Hochschule Stralsund

Im Zuge dieses Dachprojekts werden regelmäßig Praxisprojekte entwickelt und umgesetzt. Hierzu zählt u.a. das Projekt „Standort und Mittelstandsoffensive MV“ mit den Schwerpunktthemen „HSK – Hat Sonst Keiner“ sowie „Nachfolgeregelung und Arbeitskräftesicherung“.

Universität Greifswald

Die Universität Greifswald (1933–2018 Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald) wurde1456 gegründet und gehört damit zu den ältesten Universitäten Mitteleuropas. Geprägt durch die frühere schwedische Herrschaft, ergeben die Gebäude der Universität zusammen mit der Altstadt ein wunderschönes Gesamtbild. Sie ist die viertälteste durchgängig bestehende Universität auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und zugleich die zweitälteste im Ostseeraum; durch die wechselnde territoriale Zugehörigkeit Vorpommerns war sie zeitweilig auch die älteste Hochschule Schwedens (1648–1815) und Preußens (1815–1947).

Forschung in Vorpommern. Universität Greifswald: Blick auf Audimax am Rubenowplatz
Blick vom Rubenowplatz auf das Universitätshauptgebäude mit Audimax

Die Forschungslandschaft in MV wird stark bereichert durch die Universität Greifswald. Schon seit dem 15. Jahrhundert wird hier Wissen vermittelt und Forschungen geleitet. Mit dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg, einer von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Universität Greifswald und dem Land Mecklenburg-Vorpommern getragenen Stiftung, das Vorträge, Tagungen, Symposien etc. organisiert, hat Greifswald mitten in der Stadt eine Stätte der Forschung und wissenschaftlichen Begegnung.

Forschung in Vorpommern. Universität Greifswald: Blick auf den neuen Campus Friedrich-Loeffler-Straße am Ernst-Lohmeyer-Platz
Blick auf den neuen Campus Friedrich-Loeffler-Straße am Ernst-Lohmeyer-Platz

Die Universität Greifswald einschließlich der Universitätsmedizin ist mit rund 5.100 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Greifswald und der zentrale Wirtschaftsfaktor für die Stadt und das Umland.Sie ist trotz ihrer überschaubaren Größe mit über 10.000 Studierenden eine Volluniversität mit fünf traditionellen Fakultäten, nämlich: der Theologischen, der Rechts- und Staatswissenschaften, der Medizinischen Fakultät/Universitätsmedizin, der Philosophischen und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Die Universität Greifswald ist die einzige Universität in Mecklenburg-Vorpommern, welche Human- und Zahnmedizin anbietet. Die Verknüpfung von „Community Medicine“ und „Molekulare Medizin“ ergeben den eigens geschaffenen Greifswalder Ansatz einer individualisierten Medizin und stellt so ein Alleinstellungsmerkmal für die gesamte Region dar. „Höchste Qualität zum Wohle unserer Patienten“ ist die Maxime der Universitätsmedizin in Greifswald. Aufgrund der ab 1997 laufenden SHIP-Studie (Langzeitstudie), lebt in Vorpommern die weltweit am besten untersuchte Bevölkerung. Die seit 20 Jahren laufende Analyse wurde von der Universität Greifswald zu der Bevölkerungsstudie mit dem umfangreichsten Untersuchungsprogramm entwickelt.

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik 

Die Hansestadt Greifswald ist mit ihrem Forschungsumfeld bedingt durch die enge Kooperation der Universität mit den drei großen außeruniversitären Forschungsinstituten, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald (IPP), dem Leibnitz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) und dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems zu einem international sichtbaren und weltweit vernetzten Standort von Wissenschaft und Forschung geworden.

Die Universität blickt in der Plasmaphysik auf eine lange Tradition zurück, die in den letzten Jahren durch enge Kooperationen zwischen der Universität und dem IPP sowie dem INP verstärkt wurde. 

Forschung in Vorpommern. IPP: Gebäude
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

Für die hohe Bekanntheit des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik steht der „Wendelstein 7-X“. Die rund 400 Mitarbeiter des IPP sind auf der Suche nach einer neuen, umweltfreundlichen Energiequelle. Sie wollen der Kernfusion auf die Spur kommen, bei der Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen entsteht. Dafür wird in Greifswald die weltweit größte und modernste Forschungsanlage ihrer Bauart aufgestellt: Wendelstein 7-X.

Was steckt hinter Wendelstein 7-X? 100 Millionen Grad heißes Plasma. Dieses ist in einem Käfig aus 50 supraleitenden, jeweils mehr als drei Meter hohen Magnetspulen aus Titan, die mit flüssigem Helium fast auf den absoluten Nullpunkt heruntergekühlt werden. Zugegeben, physikalische Errungenschaften sind oftmals kompliziert und für den Laien schwer zu verstehen, aber der Wendelstein 7-X könnte dazu beitragen, dass wir künftig weltweit keine Energieengpässe mehr haben.

Forschung in Vorpommern. IPP: Wendelstein 7X
Wendelstein 7-X

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.

Das Institut gehört weltweit zu den führenden Forschungsinstituten im Bereich physikalischer Plasmen, deren Grundlagen und technischen Anwendungen. Mit derzeit rund 200 Wissenschaftler(inne)n, Ingenieur(inne)n und weiteren Fachkräften ist das INP die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung zu Niedertemperaturplasmen in Europa.

Forschung in Vorpommern. INP: Gebäude
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.

Neben der anwendungsorientierten Grundlagenforschung fördert das INP die Entwicklung plasmagestützter Verfahren und Produkte. Das Institut, geleitet von Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann, betreibt Forschung und Entwicklung von der Idee zum Prototyp. Die Themen orientieren sich dabei an den Erfordernissen des Marktes. Damit bietet das INP neben kundenspezifischen Lösungen auf dem Gebiet der Plasmatechnologie auch Serviceleistungen wie Machbarkeitsstudien oder Beratungen an.

Forschung in Vorpommern. INP: KinPen
Der kINPen MED ist das erste zugelassene Medizinprodukt in Deutschland, das Kaltplasma zur Behandlung von Wunden einsetzt.

Derzeit stehen Plasmen für Materialien und Energie, sowie Umwelt und Gesundheit im Mittelpunkt des Interesses. Innovative Produktideen aus der Forschung des INP werden direkt mit der Industrie erforscht oder durch die Ausgründungen des Institutes in marktfähige Produkte und Dienstleistungen transferiert.

Das INP fördert zudem aktiv die Aus- und Weiterbildung wissenschaftlicher und technischer Nachwuchskräfte auf dem Gebiet der Niedertemperaturplasmaphysik im Zusammenwirken mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie. Das Institut ist als gemeinnütziger Verein organisiert und gehört seit seiner Gründung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Friedrich-Loeffler-Institut bzw. Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Das Friedrich-Loeffler-Institut bzw. das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bekam seinen Namen vom Virologen Friedrich Loeffler. Friedrich Loeffler, am 24. Juni 1852 in Frankfurt/Oder geboren und am 9. April 1915 in Berlin gestorben, gilt mit seiner Entdeckung als einer der Begründer der Virologie. Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, nahe der Stadt Greifswald, wurde von Friedrich Loeffler 1910 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums zur Erforschung der Maul-und Klauenseuche gegründet. Es war das erste Institut, das explizit zur Forschung an einer virusbedingten Krankheit bei Tieren eingerichtet wurde und gehört somit weltweit zu den ältesten Virusforschungsinstituten.

Forschung in Vorpommern. FLI: Hauptgebäude
Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems

Die Hauptaufgaben des heutigen Instituts sind im Tiergesundheitsgesetz geregelt. Eine davon ist der Schutz vor Infektionskrankheiten, Tierseuchen und Zoonosen. Letzteres sind Krankheiten, welche von Tieren auf den Menschen übertragbar sind. Eine andere Hauptaufgabe ist die Verbesserung des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Tiere und die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel tierischer Herkunft. Mit der täglichen Arbeit von rund 850 Mitarbeitern an fünf verschiedenen Standorten sorgt das Friedrich-Loeffler-Institut dafür, dass noch viele bisher unbekannte Infektionswege von Tieren auf den Menschen erforscht werden und soll dabei helfen, die eigene Gesundheit, als auch die Gesundheit der Tiere stetig zu verbessern.

Wegen der Forschungsarbeiten mit Viren ist die Insel wieder für die Öffentlichkeit gesperrt, nachdem in den 1990er Jahren das Wohngebiet im westlichen Teil der Insel für einige Jahre frei zugänglich war. In Quarantäneställen und Laboren gelten Sicherheitsstufen bis zu Schutzstufe 4. Das bedeutet für Beschäftigte und Besucher aufwendiges Ein- und Ausschleusen mit Kleidungswechsel und Duschen. Die Sicherheitsstufe 4, hohe Zäune, Stacheldraht – „mit ihren derart geschützten Gebäuden wirkt die Insel Riems im Greifswalder Bodden wie eine Gefängnisinsel.

Zwar sind es keine Schwerverbrecher, die hinter der mit 235 Metern längsten Klinkerfassade Norddeutschlands vor dem Rest der Welt in Sicherheit gebracht werden, dafür aber andere, durchaus zerstörerische Elemente. Einen Ausbruch gilt es auf alle Fälle zu verhindern – und zwar in doppeltem Wortsinn“, so ist es im Travelbook mit dem Titel „Die gefährlichste Insel Deutschlands“ vom 6. April 2018 zu lesen.

(Quelle: Prof. Dr. Norbert Zdrowomyslaw: Die 161 HSK Mecklenburg-Vorpommerns mit Entdeckerrouten. Attraktiver Lebens-, Wirtschafts- und Urlaubsstandort, Greifswald: MV-Verlag & Marketing, 2019, S. 100-102, 104-105 / Fotos: Hochschule Stralsund, Universität Greifswald, Kilian Donner, IPP, INP, FLI)

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