Immaterielles Kulturerbe aus Vorpommern. VOPZI-Adventskalender Tür 16

Immaterielles Kulturerbe aus Vorpommern

Vielfältige kulturelle Ausdrucksformen regionaler Besonderheiten

Die UNESCO-Konvention zum Immateriellen Kulturerbe ist am 9. Juli 2013 in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft getreten. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen regional verankerte Bräuche, Rituale, Feste, Lieder, Musiktraditionen, Theater und Tänze, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken und Handwerkstraditionen. Geplant ist, dass das bundesweite Verzeichnis von Jahr zu Jahr wächst und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar macht.

Barther Kinderfest

Im zweiten Bewerbungszyklus wurden 2016 das Barther Kinderfest und das Darßer Tonnenabschlagen in das Verzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen.

Das bald zweihundertjährige Barther Kinderfest ist eine alte pommersche Tradition und gilt damit als das älteste Kinderfest im heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Die Tradition des Kinderfestes sei seit Jahrhunderten weitergegeben und stets ausgebaut worden, um heutigen Ansprüchen gerecht zu werden, hob die Deutsche Unesco-Kommission lobend hervor.

Das Tonnenabschlagen ist ein alter Volksbrauch, der in vielen Orten entlang der Ostseeküste von Mecklenburg und Vorpommern noch heute gepflegt wird und sich großer Beliebtheit erfreut. Vielerorts an der Boddenküste, vor allem in der Region Fischland-Darß-Zingst und südlich der Bodden-Küste finden alljährlich im Frühjahr und vor allem in den Sommermonaten das „Tonnenabschlagen“ oder „Tonnenfeste“ statt.

Vermutlich haben die Schweden während ihrer Besetzung Vorpommerns (1648-1815) diesen Brauch eingeführt. Dabei handelt es sich um einen Wettstreit, der meist zu Pferde ausgetragen wird. Die Teilnehmer reiten zu Pferd im Galopp mit einem schweren Hartholzknüppel (ein Schlag pro Vorbeiritt) vorbei, um das mit Laub und Bändern geschmücktes Holzfass (Heringsfass) zu zerschlagen.

Für die vielen Zuschauer ist das Fest ein großer Spaß. Je nach Qualität des Fasses kann der Wettkampf zu Pferde schon mal mehrere Stunden dauern. Ermittelt werden dabei verschiedene „Sieger“ oder Würdenträger wie Sandkönig (wer zuerst vom Pferd fällt), Bodenkönig (wer den Fassboden „entfernt“), Tonnenkönig (wer den letzten Holzsplitter vom Haken schlägt) und Stäbenkönig (wer das letzte gewölbte Seitenbrett des Fasses abschlägt).

(Quelle: Prof. Dr. Norbert Zdrowomyslaw: Die 161 HSK Mecklenburg-Vorpommerns mit Entdeckerrouten. Attraktiver Lebens-, Wirtschafts- und Urlaubsstandort, Greifswald: MV-Verlag & Marketing, 2019, S. 74)

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