Unterwegs im Bauwagen. Mobile Jugendarbeit in Vorpommern. Diakon Lars Engelbrecht stolz vor dem blauen Bauwagen.

Mobile Jugendarbeit in Vorpommern

Diakon Lars Engelbrecht unterwegs in der Region „Nordwest“

Im ausgebauten Bauwagen durch Vorpommern

Stralsund/Lüssow. Trotz des ungemütlichen Herbstwetters ist es mollig warm in dem kleinen Bauwagen. Gleich links neben der Eingangstür knacken brennende Holzscheite im Kaminofen und verbreiten eine gemütliche Atmosphäre. An den gegenüberliegenden Wänden befinden sich kastenförmige Bänke. Die Sitzflächen sind praktischerweise Klappdeckel, sodass die Bänke sowohl Sitzgelegenheit als auch großzügiger Stauraum sind.

„Die Bänke sind so angeordnet, dass wir hier drinnen den Platz gut ausnutzen und außerdem sozusagen im Halbkreis um den Ofen, wie um ein Lagerfeuer sitzen können“, freut sich Lars Engelbrecht. Der Diakon ist im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis als Jugendreferent zwischen Damgarten und Stralsund tätig. „Ich nenne das die Region Nordwest.“ Genau das ist auch unter dem weißen Logo zu lesen, das außen auf dem pommernblauen Bauwagen prangt. Dort steht „EJP – Evangelische Jugend Pommern“, flankiert von einem Kugelkreuz, dem Symbol der Evangelischen Jugend.

Pfiffige Ideen für die Inneneinrichtung

Mittels einer großen Luke auf der rechten Seite, kann der Bauwagen wie ein Verkaufsstand nach draußen geöffnet werden. So lassen sich die Nutzungsvarianten bei entsprechender Witterung erweitern. „Anfang März habe ich den Anhänger aus dem Werk in Dortmund abgeholt und das erste Mal darin mit den Kids eine Mahlzeit auf dem Gaskocher zubereitet“, erzählt Lars Engelbrecht, während er die pfiffigen Einrichtungsideen vorführt.

Der Kocher ist in einer der Bank-Staukisten zu finden, ebenso das von Kirchengemeinden gespendete bruchsichere Geschirr. Ein Klapptisch, platzsparend an der Wand befestigt, verwandelt sich im heruntergeklappten Zustand je nach Wunsch in eine Theke oder in die Arbeitsplatte der Küche. Über eine Außensteckdose kann der Bauwagen mit Strom versorgt werden, beispielsweise wenn er auf dem Hof eines Pfarrhauses Station macht oder vor einer Schule. Ausreichend Brennholz für den Kamin ist in der Deichselkiste gebunkert. Was noch eingebaut oder umgebaut wird, werden die Kids mitentscheiden, sich einbringen, Ideen haben und umsetzen. „Es gibt noch viele Gestaltungsmöglichkeiten, der Wagen darf und soll noch wachsen, am besten gemeinsam mit den Jugendlichen.“

Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert

Lars Engelbrecht Ist Diplom-Sozialarbeiter und -Pädagoge, Evangelischer Diakon und ein echter Allrounder. Als Musiker, Filmemacher, Puppenspieler oder Fotograf, als Kinderbuchautor oder Entertainer gibt es kaum etwas, was er nicht auf die Beine stellt. „Ich bin einfach eine Rampensau“, sagt er mit einem breiten Grinsen. Seine ausufernde Kreativität und seine Art, offen auf Menschen zuzugehen, bringt er in die mobile Jugendarbeit ein. Der blaue Bauwagen könne dabei zu einer Art Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert werden, wünscht sich Lars Engelbrecht.

„Seit zweieinhalb Jahren bin ich Jugendreferent in der Region. Da ich für ein riesiges Gebiet zuständig bin, vermisste ich einen mobilen Raum, über den ich frei verfügen kann, der multifunktional ist und der als Blickfang und Arbeitsmittelpunkt funktionieren kann.“ Aus diesen Überlegungen heraus sei er auf die Idee gekommen, für die Mobile Jugendarbeit den Bauwagen anzuschaffen.

Möglich sei das durch die neue Generation von Bauwagen geworden. Diese Wagen sind sehr kompakt und können mit einem gewöhnlichen Kleinbus in normaler Anhängergeschwindigkeit gezogen werden. Zudem lasse sich der Anhänger aufgrund der relativ geringen Größe gut rangieren und unterbringen. Wenn er nicht im Einsatz ist, steht der Wagen trocken und sicher in einer Halle im Dorf Lüssow, südlich von Stralsund.

Multifunktionaler Raum ist immer dabei

„Die Einsatzmöglichkeiten für den Bauwagen sind riesig“, ist Lars Engelbrecht begeistert. „Ob für die Teamer-Ausbildung, für Gruppenarbeit, für schulkooperative Arbeit – immer haben wir auf diese Weise einen eigenen Raum dabei.“ Er plane auch die Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen, den Einsatz als mobile Küche bei Freizeiten und die Nutzung als Besprechungsraum mit Ehrenamtlichen.

Zudem kann sich Lars Engelbrecht die Präsenz des Bauwagens beispielsweise auf Kirchentagen, am MV-Tag, als bewegliche Basis für Zeltlager, Rad- oder Paddeltouren vorstellen, auch über die Propstei und den pommerschen Kirchenkreis hinaus. Ein zentrales Anliegen ist es dem Diakon aber vor allem, verlässliche Anschlussangebote für Konfirmandinnen und Konfirmanden zu schaffen, damit sie auch nach der Konfirmation Ansprechpartner und auf sie zugeschnittene Angebote finden.

Sozial-Diakonische Arbeit im Blick

„Wir wollen mit dem Beginn des nächsten Jahres trotz der schwierigen Bedingungen in die regelmäßige Arbeit mit dem Bauwagen starten. Sozusagen in der Testphase machen wir anfangs ein offenes wöchentliches Angebot in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Bartholomäus Damgarten-Saal“, so Lars Engelbrecht, der auch die sozial-diakonische Arbeit in den Plattenbausiedlungen der Region im Blick hat. Dabei kommen ihm seine Erfahrungen als Streetworker in Potsdam und Wismar zugute.

Erste Station ist in Damgarten. Regelmäßig und verlässig soll der „B(l)auwagen“ dort vor Ort sein. So plant der Jugenddiakon feste Zeitfenster, in denen der Wagen an ausgewählten Plätzen im Plattenbauviertel zu finden sein wird. „Die Mobile Jugendarbeit war bisher immer Gast, mit dem Bauwagen können wir nun selbst Gastgebende sein“, freut sich Lars Engelbrecht. „Wir haben jetzt ein rollendes Zuhause, das uns begleitet.“

Gemeinsam etwas ins Rollen bringen

Die Finanzierung des Bauwagen-Projekts gelang vor allem durch gute Kontakte und viel persönliches Engagement. So kam Geld für den Bauwagen vom Verein Andere Zeiten, aus der Spendensammlung während eines Motorradgottesdienstes, von der Axel Springer Stiftung, von der Johannes-Bugenhagen-Stiftung sowie vom Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. „Nach der Anschaffung des Bauwagens, der 15.000 Euro gekostet hat, habe ich bis jetzt noch einmal 1.000 Euro für den Innenausbau ausgegeben“, beziffert der Diakon die Kosten. Gut investiertes Geld, wie der Jugendreferent findet.

Zusätzlich zu den bereits bestehenden Vorhaben hofft Lars Engelbrecht auf viele Anschluss-Projekte und weitere Ideen. Dabei setzt er auch auf ehrenamtliche Unterstützung. „Wir wollen mit dem Bauwagen im wahrsten Sinne des Wortes etwas ins Rollen bringen!“

Nächste Projekte sind in Planung

Eins der nächsten Projekte plant Lars Engelbrecht gemeinsam mit dem Gemeindepädagogen Albrecht Stegen während der Winterferien. Unter dem Motto „Wo Menschen zu Engeln werden“ wollen sie zusammen mit Jugendlichen bei Rettern und Helfenden vorbeischauen. Unter anderem sind Besuche bei der Seenotrettung und der Feuerwehr geplant. Der blaue Bauwagen ist dann natürlich immer dabei. Aus diesen Besuchen wird ein kleiner Film für den Deutschen Evangelischen Kirchentag entstehen. „Ich habe viele Kontakte zu Filmschaffenden und kann auch Kirchengemeinden beraten, wenn sie beispielsweise professionellere Online-Angebote umsetzen wollen“, so Lars Engelbrecht.

Übrigens, wer sich den Bauwagen in nächster Zeit im Einsatz ansehen will, hat am Heiligen Abend vor dem Nachbarschaftszentrum Auferstehungskirche in Stralsund-Grünhufe die Gelegenheit dazu.

(Quelle / Fotos: pek / Sebastian Kühl)

Share on facebook
Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Login