Polen gehen an die Barrikade

„Lasst uns zur Arbeit! Lasst uns nach Hause!“ Polen gehen bis an die Barrikaden…
Es ist ein friedlicher Aufruf und ein klares Zeichen von rund 170.000 polnischen Grenzgängern an ihre Regierung in Warschau. Über die Social Medien organisierten sie für diesen Freitagabend, an der gesamten polnisch/deutschen Grenze vom Süden bis in den hohen Norden, eine groß angelegte Protestaktion. Tausende Arbeitnehmer aus ganz Polen, forderten eine zeitnahe Änderung der Grenz- Pandemie-Vorschriften, die es ihnen ermöglichen, jeden Tag ihre Arbeit in Deutschland nach zu gehen und auch täglich zu ihren Familien zurückzukehren ohne Quaratänezeit.

Um 19:00 Uhr versammelten sich auch an den Grenz barrikaden des Grenzübergangs von Swinoujscie / Ahlbeck ca. 90 Bürger aus Swinemünde. Rückenstütze bekamen sie durch ihren Vizepräsidenten Pawel Sujka persönlich.

“Es sind unsere Bürger, unserer Stadt Swinoujscie die sie heute hier am geschlossenen Grenzübergang sehen können. Ihre Familien leben bei uns, ihre Kinder gehen bei uns in den Kindergärten und Schulen…ihr Lebensmittelpunkt befindet sich in unserer Stadt für die ich mitverantwortlich bin in meiner Funktion.” so Pawel Sujka.

“Wir hier auf der Insel Usedom sind alle Brüder und Schwestern, egal ob in Swinemünde oder auf der deutschen Seite…WIR ALLE SIND INSULANER! Die einzigste kleine Hürde die ich kenne sind unsere Sprachen…aber daran arbeiten wir fleißig. Unser Stadtpräsident und ich streben mit der jungen Bürgermeisterin der Kaiserbäder Frau Marisken eine noch engere deutsch/polnische Zusammenarbeit unserer Gemeinden an.” und schon wandte sich Pawel Sujka wieder seinen Bürgern zu.

Das dieser Mann bei seinen Mitmenschen beliebt und eine starke Persönlichkeit ist, konnte man an diesem Abend gut beobachten.

Auch am Stettiner Grenzübergang Rosówek – Rosow trafen sich zeitgleich, insgesamt etwas mehr als 100 Menschen. Weitere Demonstranten standen wie auch in Swinemünde, auf der deutschen Seite.

Man hatte dazu aufgerufen, Masken zu tragen und den Sicherheitsabstand einzuhalten, woran man sich auch zum größten Teil hielt. Man fand in Form von Spaziergängen eine Lücke in den Krisen Bestimmungen beider Länder.

Auch die in Deutschland verbliebenen aus Polen stammenden Ärzte, die in den Krankenhäusern in Prenzlau, Schwedt/Oder, Karlsburg und in vielen anderen im Grenznahen Raum arbeiten und nach der Schließung der Grenzen bei ihren deutschen Patienten blieben, meldeten sich zu Wort. Sie sind Orthopäden, Chirurgen, Kardiologen und Anästhesisten die deutsche Patienten dringend benötigen.
Diese Mediziner haben Häuser und Wohnungen in Polen und pendelten bisher zur Arbeit nach Deutschland.

“Ich habe über drei Wochen im Krankenhaus gelebt. Dies ist eine ziemlich unangenehme Situation, da meine Frau und meine Familie zu Hause in Polen auf mich wartet…ich aber meine vielen Patienten hier bei Euch nicht alleine lassen kann.” sagt uns der Chirurg Dr. Paweł Tarnowski.

Viele polnische Ärzte teilten uns mit, dass sie alle paar Tage auf Covid-19 getestet und untersucht werden, sodass sie keine Quarantänezeit benötigen.

Das sind die Probleme der Menschen, die jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit die Grenze überqueren, aber auch diejenigen, die zum Arzt gehen wollen und auch für viele Schüler, die an deutschen Schulen lernen (ab dem 27. April beginnt für die oberen Klassen und ab dem 4. Mai für die unteren Klassen wieder die Schule).

Die Protestveranstaltungen verliefen entlang der gesamten Landesgrenze ruhig ab.

Einheiten der Polizei und Sondereinheiten des Militärs (WOT*) wachten darüber. Teils kreisten sogar Kamera-Drohnen über einzelne Grenzstellen und Polizisten fotografierten die Demonstranten. ( Was aber auch bei uns in Deutschland bei Protestveranstaltungen und Demos normal ist)

Aus Warschau hingegen erhielten wir nur bedeckte Antworten.

“Wir sind nicht das einzige Land der Welt und in Europa, das die Grenzen geschlossen hat. Nicht nur wir, sondern auch andere europäische Länder haben die Erfahrung gemacht, dass sich diese Infektionen über die Grenze ausbreiten “, erklärt Wojciech Andrusiewicz, Sprecher des polnischen Gesundheitsministeriums. “Daher werden die Grenzbeschränkungen vorerst beibehalten.”
Der Hauptinspektor des Ministeriums für Inneres und Verwaltung behauptet jedoch, dass sich die Situation in den kommenden Wochen möglicherweise ändern wird.
“Wir mussten die Kontakte in ganz Europa einschränken, aber wir können allmählich zur Normalität zurückkehren.” sagt Marek Posobkiewicz, Chief Sanitary Inspector des Ministeriums für Inneres und Verwaltung. Seiner Meinung nach kann der Grenzverkehr im Sommer wieder normal hergestellt werden.

Die Leitbotschaft aller Manifestationen in ganz Polen lautet: „Lasst uns zur Arbeit, lasst uns nach Hause!“ begleitet von Parolen , Reden und Gesang setzte man ein erfolgreiches Zeichen nach Warschau. Ob dieses dort auch erhört wird, werden wir in den nächsten Tagen sehen…wir bleiben an der Sache dran und werden Euch aus erster Hand darüber informieren.

Text: Kai-Uwe Ottenbreit
Fotos: Vizepräsident der Stadt Swinoujscie Pawel Sujka , Fotograf Robert Ignaciuk, 

*https://de.wikipedia.org/…/Armee_zur_Territorialverteidigung

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