Rinder im Zoo Straslund_02

Stralsunder Zoo: in Zukunft noch attraktiver für Mensch und Tier

Stralsund. Das öffentliche Leben kehrt Schritt für Schritt in die Normalität zurück. Auch im Zoo Stralsund freuen sich die Tiere wieder auf die Besucher. Was sich dort in den Wochen der Schließung getan hat, und in Zukunft noch tuen wird, verrät uns Dr. Christoph Langner, Zoo-Direktor, in folgendem Interview: 

Wie war für Sie die Zeit der Schließung des Zoos durch Corona?
Es kommt zwar hin und wieder vor, dass der Zoo über kürzere Zeiträume geschlossen werden muss. Grund dafür sind in der Regel Witterungsunbilden. Eine Schließung des Zoos über einen so langen Zeitraum, hat es bisher noch nicht gegeben. Dazu kam noch, dass der Zeitraum sich über die Osterfeiertage erstreckte und in die schönste Frühlingszeit fiel. Insofern war es schon ein merkwürdiges Gefühl, in diesen Tagen in einem Zoo ohne Besucher zu arbeiten. Andererseits liefen natürlich die Routinearbeiten in der Tierpflege, im Gartenbereich und in einigen Baustellen weiter. Die Belegschaft hat dann auch aus der Not eine Tugend gemacht und die Zeit für eine ganze Reihe von Verschönerungsarbeiten, Reparaturen und Werterhaltungsarbeiten genutzt. 

Während der Schließung des Zoos haben syrische Freiwillige geholfen, verschiedene Objekte wie die Mahnkesche Mühle oder auch das Ackerbürgerhaus zu verschönern. Können Sie das näher ausführen? 
Dabei handelte es sich um eine Initiative der syrischen Flüchtlinge in Stralsund. Begleitet vom Nachbarschaftszentrum Grünhufe und der evangelischen Kirchengemeinde hat sich eine große Gruppe syrische Freiwilliger gesagt, dass sie dem Land, das sie aufgenommen hat, in der Zeit der Coronakrise etwas zurückgeben möchte. Nach kurzer Abstimmung haben wir hier im Zoo Einsatzgebiete für einen Teil der Gruppe gefunden, die eine Tätigkeit bei Beachtung aller coronabedingten Einschränkungen zulassen. Zu diesen Arbeiten gehörte auch die Auffrischung des Farbanstriches an der Galerie der Mahnkeschen Mühle. Der Zoo ist sehr dankbar für diese Initiative. Ehrenamtliches Engagement hat in Stralsund einen sehr großen Stellenwert und viele Projekte konnten nur mit der großzügigen Unterstützung von Zoofreunden realisiert werden. Insofern hat es schon einen großen Symbolwert, wenn sich jetzt auch unsere syrischen Mitbürger engagieren.

Hat sich die Schließung auf die Tiere und ihr Verhalten ausgewirkt? Welche Auswirkungen hat die aktuelle Lage auf die Tiere?
Die Besucher werden von den Zootieren sehr intensiv wahrgenommen. Besonders deutlich wird dies natürlich bei den Tiergruppen, für die an der Zookasse Futter erhältlich ist. Wenn diese wichtige „Futterquelle“ plötzlich ausbleibt, kann sich durchaus Langeweile einstellen. Auch für die Tiere, die von den Besuchern nicht gefüttert werden dürfen, sind die Besucher ein wichtiger Aspekt in ihrem Tagesablauf. Da die Schließung in die Frühlingszeit viel, waren einige Tiergruppen jedoch auch mit der Balz und der Fortpflanzung beschäftigt. Diese Tiere haben die Besucher vermutlich nicht so sehr vermisst. 

Was müssen Besucher derzeit im Zoo beachten? 
Der Zoo ist inzwischen wieder geöffnet, lediglich das Schimpansenhaus und das ohnehin im Umbau befindliche Südamerikahaus sind noch geschlossen. In der Kasse und in der Gastronomie wurden Vorkehrungen getroffen, die den Betrieb gewährleisten. Ansonsten bitten wir die Besucher die an allen wichtigen Stellen im Zoo aushängenden Regeln strikt zu befolgen. 

Neugierig macht unter anderem ein Taschentuchbaum, welche Highlights oder Geheimtipps haben Sie für die Besucher gegenwärtig noch? Findet die beliebte Flugshow statt?
Der Taschentuchbaum ist in der Tat ein kleiner Geheimtipp! Diese dendrologische Rarität ist ansonsten eher in Botanischen Gärten zu finden. Aber die Bezeichnung Zoo ist natürlich ein Kürzel für die vollständige Bezeichnung eines „Zoologischen Gartens“ und so kommen im Zoo Stralsund auch Gartenfreunde auf ihre Kosten. Seien es die großzügigen Staudenpflanzungen, der Bauerngarten, eine Kakteenauspflanzung während der Sommermonate, die reichhaltige Gehölzsammlung oder auch der von Stralsunder Senioren betriebene „Garten für alle“- gerade im Frühjahr werden Gartenliebhaber in Stralsund viele Entdeckungen machen können. Die Tiershow konnte mit einigen Einschränkungen und bei der Einhaltung der Kontaktverbote inzwischen wieder beginnen und die zahlreichen Besucher erfreuen. 

Welche Entwicklungen gibt es und was planen Sie? Worauf können sich die Besucher freuen?
Aktuell bereiten wir den Umzug unserer Kaukasischen Zwergzebus in eine neu gestaltete Anlage vor. Für diese extrem seltene Rinderrasse wurden zwei Anlagen zu einer großen vereint. Der Zoo Stralsund versucht, diese Rinderrasse vom Aussterben zu bewahren und hat deshalb weitere Zuchtgruppen im Tierpark Berlin und im Tierpark Chemnitz aufgebaut. Gemeinsam mit den Zoofreunden Stralsund e.V. möchte der Zoo eine neue Voliere für die Roten Sichler errichten und sucht dafür auch noch tat- und finanzkräftige Unterstützung. Die Weichenstellung für die Entwicklung des Zoos in den nächsten Jahren wird derzeit in einem Masterplan erarbeitet. Die Zoobelegschaft, die Stadtverwaltung, die Zoofreunde und ein versierter Zooplaner arbeiten dabei an einem ambitionierten Programm für die nächsten Jahre, um den Zoo für die Zukunft noch attraktiver für Mensch und Tier zu gestalten. 

Wie können Privatpersonen den Zoo aktuell unterstützen? 
Da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Seien es eine Mitgliedschaft im Förderverein, die Übernahme einer Tierpatenschaft, Geld- oder Sachspenden oder aber auch der regelmäßige Besuch des Zoos. In den letzten Jahren haben immer wieder auch Menschen dem Zoo größere Werte als Erbschaft hinterlassen. Diese Mittel fanden ihre Verwendung im Bau des neuen Spielplatzes, des Leopardengeheges oder aktuell in der Erneuerung des Südamerikahauses. Damit haben die Erblasser bleibende und der Allgemeinheit dienende Werte hinterlassen. 

(Die Fragen an Dr. Christoph Langner, Zoo-Direktor, stellte Nicole Müller. Fotos: Pressestelle Stralsund)

 

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