Nicht nur ein Feld voller Brötchen

Im Interview mit Landwirt Tim Dietrich

Über Leidenschaft, Herausforderungen und Zukunft der Bauern im Lande

Tim Dietrich (28) bewirtschaftet zusammen mit Vater Ralf große Ackerflächen rund um Greifswald. Wir trafen uns zur Getreideernte direkt am Feldrand und schnackten intensiv über das Leben als Landwirt:

Tim, erzähle uns, was du genau machst.

Ein freundliches Moin erstmal. Ich bin Tim Dietrich und arbeite zusammen mit meinem Vater Ralf als Landwirt in Jarmshagen bei Greifswald. Unser kleiner Betrieb hat 2 Familienmitglieder als Ange- stellte und wir konzentrieren uns ausschließlich auf den Ackerbau. Seit 1991 betreibt mein Vater den Betrieb und ich bin jetzt die 5. Bauerngeneration in unserer Familie. Ich habe also die Ehre, eine Tradition fortzuführen.

 

Wie groß sind eure Ackerflächen und was baut ihr an?

Insgesamt beackerten wir eine Fläche von 500 ha. Darauf bauen wir unsere Hauptkulturen Weizen, Gerste, Raps und Zuckerrüben an. Je nach Marktsituation bringen wir auch Roggen, Hafer und Erbsen aus. Auch unsere Flächen unterliegen den gesetzlichen Pflichten zum Bereitstellen von ökologischen Vorrangflächen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir nicht nur die geforderten 5 % der Flächen bereitstellen, sondern freiwillig ohne Vergütung sogar 8 % unserer Flächen ökologisch vorhalten. Davon sind 6 ha reine Bienenweide, die durch einen Berufsimker betreut werden.

 

Du hast die gesetzlichen Regelungen angesprochen. Welche Herausforderungen siehst du da- durch für euch und die anderen Bauern in Deutschland?

Die Herausforderungen sind die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gerade im Bereich der Dünge- und Pflanzenschutzverordnungen. Wir als Bauern halten uns an bestehende Gesetze und verwenden ausschließlich Dünge- sowie Pflanzenschutzmittel, die eine Zulassung für die EU bzw. Deutschland haben. In meinen beiden Studienabschlüssen zum Bachelor und Master der Agrarwirtschaft habe ich vor kürzester Zeit viel Wissen vermittelt bekommen, welches jetzt durch neue Gesetzgebungen eigentlich konterkariert wird. Dieser schnellen Gesetzesänderungen steht die langfristige Arbeitsweise der Bauern entgegen. Dieses Problemfeld müssen wir alle gemeinsam lösen!

 

Welche Probleme und Konsequenzen siehst du in diesem Spannungsfeld?

Für mich ist es problematisch, dass einige Medien und NGOs uns Bauern an den Pranger stellen, obwohl wir bestehende Rechte und Gesetze befolgen. Wir wollen nicht gegen Gesetze verstoßen. Wir wollen nur nicht von  Gesetzesänderungen überrumpelt werden. Und die regionale Landwirtschaft ist für unsere eigene Versorgungssicherheit extrem wichtig und muss abgesichert sein. Corona hat uns gezeigt, wie schnell globale Lieferketten kurzfristig unterbrochen werden. Das darf im Bereich der Lebensmittelgrundversorgung nicht passieren. Deshalb müssen wir in Deutschland weiterhin autark bleiben.

 

Welche Lösungswege gibt es deiner Ansicht nach?

Es gibt viele kooperative Wege. Wir haben uns hier im Greifswalder Umland mit anderen Landwirten zusammengeschlossen und im Februar 2020 den Greifswalder Agrarinitiative e.V. gegründet. Ich bin selbst Gründungs- und Vorstandsmitglied. Die Vereinsmitglieder bieten der Greifswalder Bürgerschaft an, dass die Agrarflächen mit nachhaltigem Ackerbau betrieben und vielfältige Umweltschutzmaßnahmen durch- geführt werden. Dies aber nicht nur auf den städtischen Flächen, sondern auf allen Flächen der Initiative – das sind ca. 40.000 ha. Damit erwirken wir gemeinsam gewaltige Effekte.

 

Tim, welche Botschaft möchtest du persönlich an die Politik und Bevölkerung senden?

Bitte, liebe Politiker, gebt uns Landwirten durch eine konsistente Gesetzgebung eine langfristige Planungsmöglichkeit. Landwirtschaftsproduktion kann nicht kurzfristig umgestellt werden, ohne enorme Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen. Wir werden auch weiterhin vorgegebene Gesetze einhalten. Und generell an alle Mitbürger: Ich möchte weg von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Es ist nicht zielführend den Produzenten oder Verbrauchern den schwarzen Peter zuzuschieben. Wir brauchen ein kooperatives Verhalten. Nur gemeinsam können wir einen Lösungsweg für die zukünftigen Herausforderungen finden. Wir alle wollen auch in Zukunft bezahlbare und nachhaltige Lebensmittel genießen – ohne schlechtes Gewissen!

 

Noch eine letzte Frage: Welche Ziele und Wünsche hast du für dich als Landwirt für deine Zukunft?

Das ist ganz einfach. Ich möchte unseren Familienbetrieb in Zukunft nachhaltig und ökologisch verträglich fortführen können und somit auch unsere Familienexistenz sichern.

 

Das Interview führte M. Bladt Foto: M. Bladt | Video: René Becker Foto & Werbestudio